Wer bisher fleißig gelesen hat, wird festgestellt haben, dass nicht immer alles nach Plan gelaufen ist. Was meint ihr, wie es bei dem Ausflug nach Rurrenabaque und der Pampas Tour aussah?
Wer auf einen reibungslosen Ablauf getippt hat, dem danke ich, dass er mir ein bisschen deutsche Normalität gewünscht hat. Alle anderen haben die Realität getroffen. Doch eines nach dem anderen…
Der erste Tag begann kurz nach 4 Uhr morgens. Etwas verschlafen bin ich zum Flughafen um nach Rurrenabaque zu fliegen. Die kleine Propellermaschine mit insgesamt 20 Passagieren flog zwischenzeitlich sehr nah an einem der zahlreichen Berge um La Paz vorbei und landete 40 Minuten später nach einigen Turbulenzen sicher im Amazonasbecken.
Bei meiner Ankunft regnete es jedoch. Der Agenturchef bot mir an, meinen Trip um einen Tag zu verschieben. Kurzerhand suchte ich mir also ein Hostel, verschob den Rückflug ebenfalls um einen Tag und ging erst einmal gut in einer französischen Bäckerei frühstücken.
Nach einem kleinen Verdauungsschläfchen hatte dann auch der Regen aufgehört und ich bin auf Erkundungstour gegangen. Angetrieben von Erzählungen über einen Wasserfall und einem guten Aussichtspunkt über die Stadt kletterte ich über Stock und Stein. Wie im wahren Leben konnte man den gesamten Weg nicht immer erkennen, aber die nächsten beiden Schritte oder den übernächsten… Das erste Mal während meiner Reise kam ich in kurzen Hosen und T-Shirt ziemlich ins Schwitzen, was neben den vergleichsweise hohen Temperaturen jedoch auch etwas an der Luftfeuchte lag.
Nach einer Runde Billard, Bier und Pizza am Abend begann am nächsten Tag dann wirklich die Pampas Tour. Drei Stunden fuhr ich mit acht weiteren Touris aus dem französischen Teil Kanadas, dem französischen Teil der Schweiz, Dänemark und Deutschland eingequetscht in einen Jeep über Feldwege, die hier als offizielle Straßen gelten. Danach wurde das Fortbewegungsmittel in Santa Rosa gegen ein motorisiertes Boot getauscht und mit unserem Guide bestaunten wir mehrere Stunden Flora und Fauna.
Kurz vor dem Sonnenuntergang kamen wir an unserer Lodge – unserem Zuhause für die nächsten Tage – an und präparierten uns mit Mückenspray, denn die Biester sind hier hemmungslos…
Nach dem besten Abendessen, was ich seit langer Zeit hatte, suchten wir mit Taschenlampen nach Kaimanen und erhofften auf einer Insel etwas mehr als Kröten zu finden. Außer der Schlangenhaut war jedoch nix zu finden…
Der nächste Tag startete mal wieder sehr zeitig, dieses Mal um den Sonnenaufgang in den Pampas zu sehen. Hätten wir wegen der Mücken nicht ständig um uns geschlagen, wäre es fast romantisch 😉
Nach einem wundervollen Frühstück (die Köchin war einfach nur toll!) gingen wir mit Gummistiefeln bewaffnet auf Anaconda-Pirsch und bestaunten zuvor wieder Flora und Fauna.
Zu Beginn buddelte unser Guide nach Schildkröteneiern in der Nähe des Wassers. Die Haut ist härter als ich dachte – erstaunlich, wie die Kleinen sich da ihren Weg aus dem Ei durch die Erde zum Wasser bahnen!
Danach gab es einen ersten Vorgeschmack auf die Anacondas 😉 Auf unsere Frage, wann dann zuletzt eine gesehen wurde, bekamen wir sieben Jahre zur Antwort.
Was soll ich sagen, wir fanden keine einzige Schlange. Dank des Regens in den letzten Tagen stand das Wasser zu hoch. Das führte auch dazu, dass die Gummistiefel nicht nur von außen nass wurden… Trotz allem war es ein toller Ausflug in die Natur, die Bolivien zu bieten hat.
Zurück von der Anaconda-Jagd stolperten wir kurz vor der Lodge noch über ein Krokodil. Das hatte jedoch nur noch zwei Beine und wurde vermutlich von den Lodge-Besitzern gefüttert, damit wir beeindruckende Fotos machen können…
Da man nicht hungrig einkaufen gehen soll, aßen wir vor dem Angeln von Piranhas noch Mittag in der Lodge und wechselten die nassen Socken. Leider bissen überall nur die kleinen an, welche wir wieder in die Freiheit entließen. Wir hätten das Fleisch, was wir als Köder benutzt haben, wohl lieber für´s Abendessen aufheben sollen 😉
Dafür war der Sonnenuntergang auf dem Rückweg umso schöner.
Nach dem fischfreien Abendessen verbrachten wir die Nacht mit „Cambio“ spielen – einem lateinamerikanischem Kartenspiel, was neben Glück auch einiges an Konzentration verlangt. Die Regeln werden definitiv nach Deutschland importiert 🙂
Der letzte Tag stand dann im Zeichen der rosa Delfine. Trotz der etwas kälteren Temperaturen wagten wir uns ins Wasser um mit ihnen zu schwimmen. Da sie sehr neugierig und verspielt sind (und durch die ganzen Touren an den Menschen gewöhnt), kamen sie bis auf wenige Zentimeter an uns heran. Die Fotos folgen später…
Auf dem Rückweg sahen wir noch ein paar Capybaras, die größten Nagetiere der Welt.
Zurück in Rurrenabaque traf sich meine verrückte und liebenswerte Gruppe noch auf eine Pizza und einen Cocktail. Ein toller Ausklang für diese Tour. Auch wenn wir nicht so viele Tiere gesehen haben wie erwartet und der Guide auch eher schweigsam war, so ist dieser Teil Boliviens auch unheimlich sehenswert. Und wie sagte Martin doch so schön: Warum warten wir auf das Paradies, wenn es auf der Erde doch so wunderschöne Flecken gibt, die man erleben und genießen kann (entschuldige, wenn ich nicht ganz genau deine Worte getroffen habe…).
Da ich auch auf dem Rückweg nach La Paz keine Lust auf eine 30-stündige Busfahrt über unbequeme Straßen hatte, bin ich wieder geflogen. Check-In, Gepäckaufnahme und Sicherheitskontrolle sind hier in einem kleinen Raum untergebracht. Auf das Boarding wartet man dann im Freien. Trotzdem geht es sicher zurück.